Beobachtung der Sonnenfinsternis am 20. März 2015 auf dem Wallberg in Pforzheim – Menschen versammelt sich auf dem Trümmerberg

Sonnenfinsternis in Pforzheim 2015 – Totale Finsternis über Europa

Die totale Sonnenfinsternis am 20. März 2015 am Tag der Frühlings-Tagundnachtgleiche: Verlauf, Sichtbarkeit in Europa und Deutschland, Beobachtungen am Wallberg in Pforzheim sowie Auswirkungen auf das Stromnetz.

Überblick

Die totale Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 war ein bedeutendes astronomisches Ereignis, das am Tag des astronomischen Frühlingsbeginns (Frühlings-Tagundnachtgleiche) auf der Nordhalbkugel stattfand. Es handelt sich um die letzte totale Sonnenfinsternis, die in Europa (wenn auch nur an wenigen Orten) bis zur Finsternis vom 12. August 2026 sichtbar war.

Wichtige Daten und Parameter

Typ Total (Magnitude 1,0445–1,0446; Gamma 0,9454)
Saroszyklus 120 (61. von 71 Finsternissen dieses Zyklus)
Maximale Totalitätsdauer 2 Minuten 47 Sekunden
Maximale Breite des Kernschattenpfads ca. 463–487 km (ungewöhnlich breit, da die Sonne während der Totalität nur niedrig stand)
Zeitpunkt der größten Finsternis 20. März 2015 um 09:45:39 UT (ca. 10:45 MEZ) bei ca. 64,4° N / 6,6–6,7° W (Nordatlantik östlich von Island)
Mondposition Kurz nach dem Perigäum (engster Erde-Mond-Abstand), was zu einer relativ großen scheinbaren Größe beitrug

Verlauf des Schattens

Der Kernschatten (Umbra) traf die Erde erstmals gegen 09:13–09:14 UT im Nordatlantik (südlich/östlich von Grönland, ca. 700 km südlich der grönländischen Küste) bei Sonnenaufgang. Er bewegte sich rasch nordöstlich über den Atlantik, passierte zwischen Island und den Britischen Inseln, überquerte die Färöer-Inseln und dann Spitzbergen (Svalbard), bevor er nahe dem Nordpol (nur ca. 69–70 km entfernt) um ca. 10:21 UT die Erde verließ.

Totale Sichtbarkeit war nur auf den Färöer-Inseln und Spitzbergen möglich:

  • Färöer: Totalität ca. 2–2,3 Minuten (z. B. in Tórshavn ca. 2 Minuten).
  • Spitzbergen/Longyearbyen: ca. 2 Minuten 27–28 Sekunden (nahe der Zentrallinie, Sonne nur ca. 11–12° hoch).

Der partielle Schatten (Penumbra) bedeckte ganz Europa, Teile Nordafrikas, Grönlands, Islands, des nordwestlichen Asiens und weitere Gebiete.

Sichtbarkeit in Europa (besonders Deutschland und Mitteleuropa)

In ganz Europa war die Finsternis als partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Je weiter nördlich, desto höher der Bedeckungsgrad:

Ort/Region Max. Bedeckung (ca.) Beginn (MEZ) Maximum (MEZ) Ende (MEZ)
Sylt (List/Ellenbogen) 83,1 %
Kiel / Hamburg ~80 % ~9:36–9:37 ~10:44–10:45 ~11:55–11:56
Berlin 74,2 % 9:38 10:47 11:58
Pforzheim ~77 % ~9:30 ~10:39–10:40 ~11:51
München ~68 % ~9:30 ~10:39 ~11:51
Wien 62,9 % 9:37 10:45 11:57
Bern (Schweiz) 69,5 % 9:24 10:32 11:44

In Großbritannien reichte die Bedeckung bis über 90–97 % im Norden/Nordwesten (z. B. Schottland), in London um die 85–87 %. Die Finsternis dauerte in Mitteleuropa etwa 2–2,5 Stunden. Das Tageslicht wurde spürbar fahler (besonders bei höheren Bedeckungsgraden ab ca. 70–80 %), und die Temperaturen sanken leicht.

Pforzheim und der Wallberg

In Pforzheim war die Finsternis am Vormittag des 20. März 2015 als partielle Sonnenfinsternis mit etwa 77 % Bedeckung zu beobachten. Das Maximum lag bei ca. 10:39–10:40 Uhr MEZ – die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt noch relativ hoch am Himmel, was gute Beobachtungsbedingungen bot.

Beliebter Beobachtungspunkt war der Wallberg in Brötzingen: Der künstlich aufgeschüttete Trümmerberg (heute ca. 417 m) mit Aussichtsplattform und Stelen bot freie Sicht und genügend Platz für die zahlreichen Schaulustigen, die sich zum Höhepunkt der Finsternis versammelten.

Mehr zur Geschichte des Wallbergs: Wallberg in Brötzingen .

Menschen versammelt sich auf dem Wallberg in Pforzheim zur Beobachtung der Sonnenfinsternis am 20. März 2015
Beobachtung der Sonnenfinsternis auf dem Wallberg in Pforzheim, 20. März 2015 – zahlreiche Menschen versammelten sich auf dem Trümmerberg zum Höhepunkt um ca. 10:40 Uhr MEZ. (Hinweis: In den überlieferten Bilddateien waren keine EXIF-Zeitstempel enthalten; die Uhrzeit entspricht dem berechneten Maximum für Pforzheim.)
Partielle Sonnenfinsternis am 20. März 2015 – die Sonnenscheibe als dünne Sichel mit ca. 77 Prozent Bedeckung
Partielle Sonnenfinsternis vom 20. März 2015, aufgenommen in der Region Pforzheim – die Sonnenscheibe erscheint als dünne Sichel bei ca. 77 % Bedeckung (Maximum ca. 10:40 Uhr MEZ). (Hinweis: In den überlieferten Bilddateien waren keine EXIF-Zeitstempel enthalten.)

Beobachtungen und Wetter

Spitzbergen

Sehr gute Bedingungen, klarer Himmel. Viele Beobachter (darunter wissenschaftliche Teams) hatten klare Sicht auf die Korona und Protuberanzen. Temperaturen um –10 bis –20 °C.

Färöer

Starke Bewölkung und Regen verhinderten vielerorts die Sicht auf die Totalität (trotz großer Erwartungen und Touristenansturms). Einige Flugzeuge flogen über die Wolken, um bessere Bedingungen zu haben.

Mitteleuropa/Deutschland

Meist gute bis sehr gute Sicht bei klarem oder nur leicht trübem Wetter. Viele öffentliche Beobachtungen, Schulaktionen und private Aufnahmen – auch in Pforzheim, wo sich am Wallberg eine große Menschenmenge versammelte.

Auswirkungen auf das Stromnetz (besonders Deutschland)

Deutschland hatte damals die weltweit höchste installierte Photovoltaik-Leistung (ca. 39 GW). Der schnelle Einbruch und anschließende steile Wiederanstieg der Solarstromerzeugung (bei klarem Himmel Gradienten bis mehrere hundert MW pro Minute, im Extremfall bis ca. 400–700 MW/min) galt als Stresstest für die Energiewende.

Im Vorfeld gab es Medienhype und Befürchtungen eines Blackouts. Netzbetreiber (u. a. ENTSO-E, 50Hertz etc.) hatten sich intensiv vorbereitet: zusätzliche Regelenergie, Reservekraftwerke, Laststeuerung (z. B. bei Aluminiumwerken).

Ergebnis: Alles lief problemlos. Keine Ausfälle, die Netzfrequenz blieb stabil im beherrschbaren Bereich. Die tatsächlichen Gradienten lagen im oberen Prognosebereich (nahe Worst-Case bei sonnigem Wetter), wurden aber problemlos ausgeglichen. Die Kosten für Vorsorgemaßnahmen waren moderat. Es galt als erfolgreicher Testfall für den Umgang mit starken Fluktuationen erneuerbarer Energien.

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