Arlinger 1958 in Pforzheim - Luftbild des Stadtteils

Arlinger Geschichte – Stadtteil von Pforzheim

Die Geschichte des Arlingers, eines Stadtteils von Pforzheim mit genossenschaftlicher Tradition. Von der mittelalterlichen Wüstung Arlingen bis zur modernen Baugenossenschaft Arlinger eG mit über 3.200 Wohnungen.

Der Arlinger

Der Arlinger zählt als Pforzheimer Stadtteil statistisch zu Brötzingen. Seinen Namen verdankt er einer untergegangenen Siedlung Arlingen; heute wohnen hier etwa 3.400 Menschen (Stand 2005).

Lagerbücher aus dem 16. Jahrhundert nennen im Westen der Brötzinger Markung Fluren wie Obere und Untere Arlinger, Oberarlingen am Brunnen, Arlinger Hag, Arlinger Weg und Arlinger Wiesen – Zeugnisse einstigen Siedlungslandes. Bodendenkmale der Siedlung sind bis heute nicht gefunden; sie dürfte früh wüst gefallen sein. In der Gegend liegen die Junkersäcker, angrenzend an die heute überbaute Flur „Hinter der Birk“. An eine frühere Burg erinnert die Burgstraße; die Anlage diente wohl den Herren von Weißenstein als zweiter Wohnsitz und wurde zuletzt vom markgräflichen Vogt von Enzberg genutzt. Als Brötzingen 1320 an die Pforzheimer Dominikanerinnen verkauft wurde, verfiel die Burg; sie hing vermutlich mit den Junkersäckern und den angenommenen Hofsiedlungen Ober- und Unterarlingen zusammen.

Auf diesem Gebiet entstand nach dem Ersten Weltkrieg die Gartenstadt Arlinger, die sich bis zur einstigen württembergischen Grenze erstreckt. Bis in die Gegenwart prägt die Baugenossenschaft Arlinger eG als größter Wohnungsanbieter der Region den Stadtteil – mit genossenschaftlicher Tradition und zeitgemäßer Ausrichtung.

Historische Karte

Diese historische Karte von 1898 zeigt den Arlinger in seiner ursprünglichen Lage. Die Karte ist mittig auf die Koordinaten des Arlingers ausgerichtet.

Baugenossenschaft Arlinger eG

Überblick

Das Gesicht des Stadtteils bestimmt maßgeblich die Baugenossenschaft Arlinger eG: Sie ist mit mehr als 3.200 Wohnungen der größte Anbieter von Wohnraum in der Region und hat vor kurzem ihr hundertjähriges Jubiläum begangen – eine jahrzehntelange Tradition genossenschaftlichen Wohnungsbaus.

Geschichte der Baugenossenschaft

Gründung und Anfänge

Unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gründeten 30 Genossenschafter 1914 die Bau- und Spar-Genossenschaft GmbH Pforzheim; Ziel war der Bau von Wohnungen und gemeinnützigen Anstalten über eine eigene Sparkasse. Der Krieg bremste das Vorhaben aus – die ersten zwölf Häuser im Arlinger-Gelände entstanden erst 1921. Trotz Inflation schufen die Mitglieder in Eigenleistung die Gartenstadt Arlinger. Die Genossenschaft bot dauerhaft nutzbare Heime mit Garten und die Chance zum Eigentumserwerb; Kapital konnte in der genossenschaftseigenen Sparkasse angelegt werden.

Zu den Initiatoren gehörten Carl Hölzle, Friedrich Müller, Rudolf Pöhler, Albert Schöttle und Wilhelm Sting, allesamt in leitenden Positionen. Carl Hölzle, von 1946 an zweiter Bürgermeister Pforzheims, begründete die noch heute gepflegten Kinder- und Blumenfeste. Nach der Inflation wuchs die Genossenschaft beständig: 1938 waren 672 Mitglieder verzeichnet, 287 Häuser mit 476 Wohnungen standen, 187 davon bereits in Genossenschaftseigentum. Überwiegend handelte es sich um Arbeiter und Angestellte, daneben um Händler, Gewerbetreibende, Beamte und Rentner. Die Genossenschaft errichtete neben einem Kindergarten im Arlinger auch Wohngebäude in der Kernstadt.

Kriegszeiten und Wiederaufbau

Nach der totalen Zerstörung Pforzheims im Zweiten Weltkrieg leistete die Baugenossenschaft einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau; zahlreiche Ausgebombte fanden im Arlinger Unterkunft. 1947 begann man in der Maximilianstraße mit 40 Wohnungen, nach der Währungsreform 1948 folgte rege Bautätigkeit im Arlinger, in der Stadt und in Dietlingen. 1952 ging die Baugenossenschaft Niefern in der Arlinger auf, 1954 wurde die 1000. Mietwohnung übergeben. In der Folge wuchs die Genossenschaft zur größten im Enzkreis: rund 6000 Mitglieder, etwa 3000 eigene Wohnungen, dazu der Verkauf vieler Heimstätten an Private und Beteiligung an der Brötzinger Sanierung.

Gemeinschaft und Nachhaltiges Wirtschaften

Im Arlinger herrscht ein ausgeprägtes Wir-Gefühl und lebendige Nachbarschaft – etwa bei den Kinderfesten, den Umzügen und wenn die Gartenstadt illuminiert wird und Tausende Gäste anlockt. Die Genossenschaft hat sich von jeher werterhaltend und langfristig ausgerichtet statt auf kurzfristige Gewinne. So konnten Instandhaltung und Modernisierung über Jahrzehnte durchgehalten werden; noch heute gehen etwa 60 % der Mieteinnahmen in Instandhaltung und energetische Sanierung der Bestände.

Moderne Ausrichtung

Qualitatives Wachstum

In den letzten Jahren erfolgte eine strategische Neuausrichtung: Angesichts des demografischen Wandels legt die Genossenschaft ihren Fokus weniger auf Neubauten in großer Zahl, sondern auf qualitatives Wachstum.

Nahezu alle Gebäude wurden inzwischen energetisch modernisiert, viele mit Aufzügen nachgerüstet. Bei Neubauprojekten steht die architektonische Qualität und Nachhaltigkeit im Vordergrund – Gebäude sollen auch nach Jahrzehnten funktional und ästhetisch überzeugen.

Vorstandsvorsitzender Carsten von Zepelin und Vorstandsmitglied Wolfgang Glatz betonen, dass das Unternehmen optimistisch in die Zukunft blickt und sich weiterhin an den Werten seiner Gründer orientiert: soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und hohe Bauqualität.

Modernes Arlinger

Blick auf den Stadtteil mit dem Wallberg im Hintergrund

Modernes Arlinger mit Wallberg im Hintergrund in Pforzheim

Stadtteil und Leben im Arlinger

Kirchen

Die evangelische Matthäusgemeinde nutzt seit 1953 die Matthäuskirche, entworfen von Prof. Egon Eiermann (Architekt der Berliner Gedächtniskirche); ihr unverwechselbares Erscheinungsbild hat sie über die Region hinaus bekannt gemacht. Zur Gemeinde gehören ein Kindergarten und eine Krankenpflegestation. Katholische Gottesdienste finden in der St.-Bernhard-Kirche (Brendstraße) statt; in der Merkurstraße liegt das Theresienhaus mit Schwesternheim und Kindergarten.

Bildung: die Arlingerschule

Auf dem Börth entstanden 1951 zunächst zwei Schulpavillons; durch spätere Erweiterungen konnte der Platzbedarf für die Volksschulkinder im Arlinger gedeckt werden. Im Stadtteil gibt es seither die Arlingerschule, heute als Grundschule geführt.

Arlinger Kinder- und Blumenfest

Im Zweijahresrhythmus feiert der Stadtteil das Arlinger Kinder- und Blumenfest – ein beliebter Anlass, der das Miteinander im Viertel fördert und mit Feuerwerk, Karussells und weiteren Attraktionen vor allem Familien anspricht.

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Historischer Hintergrund

Wüstung Arlingen und ehemalige Burg

„Arlinger“ leitet sich von der mittelalterlichen Wüstung Arlingen ab, die im Westen der Brötzinger Markung lag. Lagerbücher aus dem 16. Jahrhundert überliefern Flurbezeichnungen wie Obere und Untere Arlinger, Oberarlingen am Brunnen, Arlinger Hag, Arlinger Weg und Arlinger Wiesen – Belege für ein einstiges Siedlungsgebiet, von dem bislang keine Überreste nachgewiesen sind; die Siedlung dürfte früh aufgegeben worden sein.

Auf dem heutigen Arlinger-Gelände finden sich die Junkersäcker, benachbart zur früheren Flur „Hinter der Birk“, die inzwischen überbaut ist. An eine ehemalige Burg gemahnt die Burgstraße; die Anlage diente wohl den Herren von Weißenstein als zweiter Sitz und wurde zuletzt vom markgräflichen Vogt von Enzberg genutzt.

Mit dem Verkauf Brötzingens an die Pforzheimer Dominikanerinnen (1320) verfiel die Burg. Sie stand vermutlich in Zusammenhang mit den Junkersäckern sowie den angenommenen Hofsiedlungen Ober- und Unterarlingen.

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Quelle

Karl Ehmann: Die Geschichte des Dorfes BRÖTZINGEN. Stadt Pforzheim (Hrsg.), Herstellung: Stark-Druck, Pforzheim 1980. 191 Seiten, Halbleinen, 245 × 172 mm.

Die Darstellung zur Geschichte des Arlingers (Wüstung Arlingen, Burg, Gartenstadt, Baugenossenschaft, Kirchen, Arlingerschule) folgt dieser Quelle. Karl Ehmann hat 75 Jahre nach der Eingemeindung Brötzingens (1905) die Geschichte des Dorfes und heutigen Stadtteils auf Basis des Generallandesarchivs, der Reformation und Pflügers Pforzheimer Geschichte erarbeitet. Das Buch schließt die ältere Geschichte mit der Eingemeindung ab und streift die weitere Entwicklung des Stadtteils bis zur Sanierung.

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