Pforzheim – Stadt mit langer Bädertradition

Schwimmbäder in Pforzheim – Bädertradition von Badestuben bis Neubauten

Geschichte der Schwimmbäder in Pforzheim: mittelalterliche Badestuben, Emma-Jaeger-Bad, Benckiser- und Nagoldfreibad, Wartbergfreibad, Bäderkrise und neue Stadtteilbäder.

Schwimmbäder in Pforzheim

Pforzheim verfügt über eine lange Bädertradition – von mittelalterlichen Badestuben über repräsentative Hallenbäder und frühe Freibäder bis zu modernen Neubauten und laufenden Großprojekten. Die Geschichte umfasst soziale, architektonische und infrastrukturelle Entwicklungen und ist in historischen Stelen sowie Archiven (u. a. Stadtarchiv) dokumentiert.

Mittelalterliche Ursprünge

Die frühesten öffentlichen Bäder entstanden im 14. Jahrhundert. Das „Untere Bad“ (auch „Niedere Badestube“) wurde 1336 nahe dem Heiligen-Geist-Spital und dem Dominikanerinnenkloster erwähnt – in der Gegend des heutigen Waisenhausplatzes.

Bis 1500 kamen die „Mittlere“ und „Obere“ Badestube zwischen Eichmühl- und Gerbergraben hinzu. Sie dienten der Körperpflege in wasserarmen Haushalten und waren zentrale soziale Orte. Aus diesen Einrichtungen ging 1617 das Städtische Badehaus hervor.

Emma-Jaeger-Bad (1911–2018)

Gestiftet von Emma Jaeger (1830–1900), die 500.000 Goldmark vermachte, wurde das Bad 1909–1911 nach Plänen von Alfred Roepert im Stil von Jugendstil und Neorenaissance errichtet. Es bot getrennte Hallen für Männer und Frauen, Saunen, Dampfbäder, medizinische Bäder, ein Hundebad und eine Dachterrasse mit Lichtbad; ein Wasserturm versorgte die Anlage mit Wasser.

1945 wurde das Bad bombardiert und 1949 in vereinfachter Form wiedereröffnet. Es schloss 2011 (das alte Gebäude wird als Kreativzentrum genutzt); ein Neubau folgte 2018, musste aber wegen Sanierungsbedarfs wieder schließen – und steht symbolisch für die „Bäderkrise“ in Pforzheim.

Frühe Freibäder

Das Benckiserfreibad (1921) entstand auf ehemaligem Fabrikgelände an der Enz und galt als „soziale Tat“ für alle Schichten. Die Badezeiten für Frauen wurden modernisiert: drei Tage Männer, zwei Tage Frauen, zwei Tage Familien.

Das Nagoldfreibad in Dillweißenstein wurde am 23. Juli 1938 am Flussufer eröffnet, mit Wettkampfbecken (Eintritt z. B. 0,40 RM für Erwachsene). Es blieb 1945 unbeschädigt; 1947 richtete Hochwasser Schäden an. Umbauten folgten 1984, 1990 und 2011–2013.

Das Wartbergfreibad wurde am 21. Mai 1966 eröffnet und bot mit einer 83-m-Rutsche dem wachsenden Publikum attraktive Freizeitmöglichkeiten.

Bäderkrise und Neubauten

Seit 2011 bzw. 2018 gibt es kein zentrales Hallenbad mehr; alle Anlagen waren bzw. sind sanierungsbedürftig, was zu heftigen Debatten führte.

2025 wurde das Huchenfelder Stadtteilbad eröffnet (rund 16 Mio. €, 25-m-Becken, Kinderbereich, Glasfassade mit Kunst) – der erste Bäderneubau seit 50 Jahren.

Das Panoramabad Wartberg wurde 2025 mit dem Spatenstich begonnen und soll 2028 als großes Kombibad eröffnen.

Betreiber und Erhalt

Die Goldstadtbäder GmbH verwaltet die Freibäder (Nagoldfreibad, Wartbergfreibad). Der Förderverein Nagoldfreibad mit über 700 Mitgliedern engagiert sich für den Erhalt und die Zukunft des Nagoldfreibads. Historische Stelen und Archive – etwa das Stadtarchiv Pforzheim – dokumentieren die Entwicklung der Bäder in der Goldstadt.

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