Zweiter Weltkrieg in Maihälden – Luftangriffe und Kriegsschäden 1939-1945
Die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf Maihälden von 1939-1945. Luftangriffe, Bombenschäden, Evakuierungen und die Zerstörung der Infrastruktur des Pforzheimer Stadtteils.
Inhaltsverzeichnis
Maihälden vor dem Krieg
Luftbild Maihälden November 1934
Luftaufnahme aus dem November 1934 - Maihälden vor dem Zweiten Weltkrieg mit charakteristischer Gartenstadt-Struktur
Diese Luftaufnahme aus dem November 1934 zeigt Maihälden in seiner ursprünglichen Gartenstadt-Struktur vor dem Zweiten Weltkrieg. Man erkennt die charakteristischen langen, schmalen Parzellen, die für die Gartenstadt-Planung typisch waren, sowie die Mischung aus landwirtschaftlichen Flächen und punktueller Bebauung. Das Bild dokumentiert den Zustand des Gebiets vor den verheerenden Kriegsereignissen.
Der Zweite Weltkrieg in Maihälden
In Pforzheims Stadtbild spiegeln sich die Folgen des Zweiten Weltkriegs besonders sichtbar wider: Während des Luftangriffs auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurde die Innenstadt nahezu hundertprozentig zerstört. Durch die großflächige Zerstörung des Stadtkerns finden sich nur außerhalb der Innenstadt einige wenige historische Wohngebäude. Das Maihäldengebiet blieb vom Angriff weitgehend verschont – doch auch hier hinterließen Bombenabwürfe und gezielte Angriffe auf Bahnanlagen deutliche Spuren.
Luftangriff vom 18./19. August 1940
In der Nacht vom 18. auf den 19. August 1940, gegen 1:20 Uhr, wurden verschiedene pforzheimer Brücken bombardiert. Sieben Brandbomben waren der Baumannbrücke gedacht. Diese fielen jedoch 50 Meter nördlich „bei km 1+820 in die Gärten Fahrländer, Olze und Schulz“. Die Bomben zündeten nicht. Eine Splitterbombe zerstörte eine Kegelbahn in der Gastwirtschaft „Zum Waldhorn“ an der Kelterstraße. Eine weitere Brandbombe fiel in das Haus Dietlingerstraße 10 und entzündete sich im Dachgeschoss.
Bericht Bombenabwurf 1940
Anbei ein Originalbericht vom 20. August 1940 – Dokumentation des Luftangriffs auf Pforzheim-Brötzingen.
Dieser offizielle Bericht dokumentiert den Luftangriff vom 18./19. August 1940 auf Pforzheim-Brötzingen. Der Bericht beschreibt die Bombenabwürfe, Schäden und Beobachtungen der Angriffe auf die Bahnanlagen.
Verheerender Luftangriff vom 23. Februar 1945
Der verheerende Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 zerstörte die Innenstadt nahezu vollständig. Das Maihäldengebiet blieb vom Angriff weitgehend verschont. Lediglich sieben gewerblich oder industriell genutzte Gebäude nördlich der Bahngleise am Eck Kelterstraße–Durlacherstraße wurden vollständig zerstört. Im Maihäldengebiet standen zu diesem Zeitpunkt insgesamt etwa 50 Gebäude – nur rund 14 Prozent davon fielen dem Angriff zum Opfer, während die übrigen erhalten blieben.
Weitere zwei Bomben trafen nach Auswertung von Luftaufnahmen, die unmittelbar nach dem Angriff vom 23. Februar 1945 erstellt wurden, die Bahngleise. Dabei handelte es sich um einen gezielten Luftangriff: Die Bomben verursachten erhebliche Schäden an der Infrastruktur. Damit traf Maihälden – im Gegensatz zur Innenstadt – nur ein vergleichsweise geringer Anteil der Zerstörung.
Luftbild Maihälden 1945 - Angriff auf Bahngleise
Luftaufnahme nach dem Angriff 1945 - zeigt die Schäden an den Bahngleisen und umliegenden Gebieten
Man kann dort Krater erkennen, die von den Bombeneinschlägen stammen. Die Luftaufnahme dokumentiert die Zerstörungen an den Bahngleisen und in den umliegenden Gebieten nach dem Luftangriff. Die Aufnahmen belegen, dass es sich um gezielte Luftangriffe auf Bahnanlagen und angrenzende gewerbliche Gebäude handelte und dienen als wichtige historische Dokumentation der Kriegsschäden und der Auswirkungen auf das Maihälden-Gebiet.
Karte der Zerstörung in Pforzheim nach Angriff 1945
Zerstörungskarte von Pforzheim nach dem Luftangriff 1945 - zeigt die Schäden im Stadtgebiet
Man sieht schwarz markiert die zerstörten Gebäude. Die Gebäude nördlich der Bahngleise waren betroffen und wurden weitestgehend zerstört. Die Karte zeigt die umfassenden Schäden, die der Luftangriff vom 23. Februar 1945 in Pforzheim verursachte.
Gezielter Luftangriff und Angriffskontext
Alliierte Zielkarte vor dem Angriff
Auf einer Karte, die vor dem Angriff von Alliierten angefertigt wurde, ist das Gelände südlich und nördlich der Bahngleise zwischen Baumannbrücke und Bahnübergang Durlacher Straße schwarz markiert. Schwarz markierte Bereiche sollten im Rahmen des Angriffs gezielt zerstört werden.
Angriff auf Pforzheim im Gesamtkontext
Um das näher zu erläutern, lohnt es sich, den Angriff auf Pforzheim ganzheitlich zu betrachten: Pforzheim war für seine florierende Schmuck- und Uhrenindustrie zum Teil international bekannt. Alliierte gingen in einem Bericht vom 28.06.1944 davon aus, dass die vielen Betriebe der Stadt ihre Produktion auf Zünder und Munition umgestellt haben könnten. Ziel des Angriffs war die Zerstörung von Bahnanlagen und allen Stadtbereichen, in denen Rüstungsbetriebe beheimatet sein könnten.
Weitere Hintergründe zum Luftangriff auf Pforzheim finden sich auf der Seite zum Luftangriff vom 23. Februar 1945 und zur Pforzheimer Kriegsgeschichte .
Folgen und Nachkriegsbeginn
Deutsche Bank im Maihäldenhof
Nach dem Luftangriff hat im ehemaligen Maihäldenhof, einer Gaststätte an der Kelterstraße 62, Adolf Katz eine Filiale der Deutschen Bank eröffnet, nachdem wichtige Infrastruktur zerstört war. Katz war Bankdirektor und wurde im Juni 1945 zunächst Landrat, bevor er im Juli 1945 Oberbürgermeister von Pforzheim wurde.
Bombardierung im Bereich Siloah-Krankenhaus
Auch der Bereich um das heutige Siloah-Krankenhaus im Norden Maihäldens wurde nach Aussage des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg vollständig bombardiert, dabei sollen auch Bombentrichter zum Einsatz gekommen sein. Luftbildauswertungen im Areal südlich und nördlich der Bahnlinie bestätigen Hinweise auf frühere Luftangriffe mit Sprengtrichtern und zerstörten Gebäuden.
Gedenken
Die Erinnerung an die schweren Jahre des Zweiten Weltkriegs und ihre Auswirkungen auf Maihälden wird bis heute gepflegt. Die Geschichten der Überlebenden mahnen zu Frieden und Verständigung.
Quellenverzeichnis
- 1. Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Luftbildpläne der Jahre 1933-1936 aus Nordbaden und Nordwürttemberg. Bestand: J 311, Bestellsignatur: Hauptstaatsarchiv Stuttgart J 311 Nr. 7118, Titel: Luftbildplan von Pforzheim, Wurmberg, Laufzeit: November 1934, Maßstab: 1 : 25.000, Format: 46 x 51 cm, Autor: Hansa Luftbild GmbH. Permalink zum Archiv.
- 2. Karte, die zerstörte Gebäude schwarz und bestehende Gebäude rot markiert.
- 3. Satellitenbild, wenige Tage nach dem 23.02.1945 erstellt.
- 4. Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 (Wikipedia), zuletzt abgerufen am 17.09.2018.
- 5. Redding, Tony: Bombing Germany: The Final Phase, S. 249.